MTB-Transalp für Einsteiger

MTB-Alpencross: Garmisch - Gardasee

Gardasee

Alpencross mit dem e-MTB:
Garmisch - Gardasee

Eine Transalp für Einsteiger, 5 Tage, 395km, ca. 7.500hm,
höchster Punkt: 2.050m, keine Tragepassagen

Bereits 2018 hatte ich geplant, die Strecke Garmisch - Riva mit dem e-MTB zu fahren, was aber sprichwörtlich ins Wasser gefallen war.
Also wollte ich die Strecke in 2019 möglichst früh fahren, was aber auch nicht geklappt hat, weil noch bis Ende Mai auf 2000m Schnee lag.
Dann wollte ich in KW 25 starten, aber ich hatte spontan einen Handwerker-Termin erhalten. Und wenn ein Handwerker schon mal Zeit hat, darf man das heutzutage nicht verschieben.
Ich startete dann eine Woche später, in der vermutlich heißesten Woche des Jahres.
Da ich 2015 für diese Strecke bereits eine detaillierte Beschreibung erstellt habe, versuche ich Wiederholungen, weitestgehend zu vermeiden.




Sonntag, 23.06.2019, Etappe 1

Grainau-Landeck - 79,32 km/1.857 hm

Als ich am Sonntag kurz vor 7 Uhr mein neues Bulls auf dem Heckträger verstauen wollte, zeigte das Display ein letztes, blinkendes Segment der Akku-Anzeige.
Ich hatte den Akku nach dem Waschen des bikes vor drei Tagen vollgeladen und jetzt das - ich war geschockt.
Ich startete die reguläre Prozedur, Display aus/an, Akku reset, Akkus raus/rein, es blieb beim blinkenden letzten Segment.
Ich steckte das Ladegerät an, es passierte nix. Ich baute den Akku aus, steckte das Ladegerät direkt am Akku an, es passierte wieder nix.
Dann dachte ich mir, ggf. dauert es nur etwas länger, gib dem Ding etwas mehr Zeit. Also machte ich mir noch eine Tasse Kaffee, las Zeitung und schrieb in Gedanken den AlpenX ab. Nach ca. einer Stunde schaute ich nach dem Akku, aber da blinkte immer noch nichts.
Daher ging ich davon aus, dass ich beim Waschen des bikes einen Kurzschluss o.ä. verursacht habe und der Akku im Eimer ist.
Deprimiert, dass es nix wird mit dem AlpenX, ging ich in die Garage und baute den Akku ein. Plötzlich waren da 5 Segmente, der Akku war voll. Das Ding hatte mich astrein verarscht.
Mit einem etwas mulmigen Gefühl verlud ich das bike und fuhr los in Richtung Grainau.
Ich hatte vorher gelesen, dass mittlerweile ein Langzeitparkplatz (P1) an der Zugspitzstraße angelegt worden ist und den hatte ich im Navi als Ziel eingegeben.
Sehr spät, so gegen 11 Uhr erreichte ich den Parkplatz und ging zum Parkautomat. Ich hatte vorher schon recherchiert, dass das Parken 25,-€/Woche kostet und nur mit Münzen oder der ec-Karte bezahlt werden kann.
Wer nimmt schon Münzen mit?, also versuchte ich es mit der ec-Karte, die aber prompt verweigert wurde. Zweiter Versuch, wieder Fehlanzeige.
"Wollte da irgendwer/irgendwas/Divers, dass ich nicht starte?"

Ich ließ es ein Pärchen, das offensichtlich zum Wandern wollte, versuchen und deren Karte ging. Sie schlugen mir daraufhin vor, mit der Karte ein Parkticket für mich zu lösen, wenn ich ihnen den Betrag in bar geben kann. Durch diesen, sehr netten Vorschlag, konnte ich die zweite Hürde des Tages nehmen.
Ich packte alles aus, legte meine Ausrüstung an und um 11:15 Uhr startete ich dann endlich in Richtung Eibsee.
Was ich ganz vergessen habe, es nieselte, die Zugspitze war vollständig von Wolken umhüllt. Ich wusste aber, dass das gleich vorbei ist und dann traumhaftes Wetter auf mich wartet.
Von Grainau aus, fuhr ich auf dem schmalen asphaltierten Wanderweg bis zur Eibsee-Straße und von dort auf dem Wanderweg hoch zum Eibsee.
Ab dem Eibsee dann über die Forststraße, die gegen Ende des Anstieges in einen kurzen aber steilen Trail übergeht, hoch zur Hochthörlehütte.
Bereits einige hundert Meter vor der Hütte hat man den höchsten Punkt erreicht und es geht bergab. Erst noch auf Schotter, ab der Hochthörlehütte, dann auf einer schmalen Teerstraße bis zur Talstation der Zugspitzbahn.
Hier wechselte ich auf einen flowigen Weg, der links im Wald runter bis Ehrwald führt.
Im unteren Teil traf ich auf einen Wanderer, der mir erklärte, dass Radfahren hier nicht erlaubt ist, daher fuhr ich die letzen paar hundert Meter auf der Straße.
Kurz vor dem Campingplatz bin ich dann aber doch wieder auf einen kleinen Weg nach links abgebogen, denn hier dürfte m.E. biken erlaubt sein.

Das Wetter wurde schnell besser
In der alten Beschreibung der Tour hieß es, das man das Rad durch den Campingplatz schieben soll, um den Plattenweg zu erreichen. Das hab ich diesmal ausprobiert und muss leider sagen, das ist völlig sinnlos. Läßt man den Campingplatz rechts liegen und biegt bei der nächsten Kreuzung rechts ab, kommt man auch an den Anfang des Plattenweges und erspart sich das Schieben.
Am Endes des Plattenweges routete mich mein neues Navi (Garmin Edge 830) etwas anders durch Ehrwald, aber m.E. ohne Umweg stand ich dann an der kleinen Brücke kurz vor dem Lärchenwald.
Relativ zügig fuhr ich bis zu der Stelle, kurz vor dem Weißensee, wo man auf einem Brett einen Bach überqueren muss. Dort traf ich ein Pärchen, das ebenfalls unterwegs an den Gardasee war. Wir fuhren gemeinsam bis zum ersten Anstieg des Fernpasses.
Dabei erfuhr ich, dass sie über das Ötztal fahren wollten - tja es gibt viele Wege an den Gardasee.
Am Anstieg machte sich natürlich mein e-MTB, trotz Stufe eins, deutlich bemerkbar, also zog ich davon. Nach wenigen hundert Metern traf ich auf einen einzelnen MTBiker, mit dem ich gemeinsam bis zum höchsten Punkt fuhr. Oben angekommen bedankte er sich sogar, dass ich ihn durch die Unterhaltung etwas vom Anstieg abgelenkt hatte. Da sag nochmal jemand es wäre demotivierend auf einen e-MTBiker zu treffen.
(vorausgesetzt der biker kennt auch was anderes als die Stufen Turbo oder Sport)

Vom höchsten Punkt aus (der klassische Fotostop), führt die Forststraße zur Fernpassstraße. Ich wusste noch, dass wir die 2014/2015 an einer nicht ungefährlichen Stelle überquert haben.
Ich hatte daher recherchiert und etwas von einer Unterführung gelesen. Ich fuhr also nicht bis zur Bundesstraße sondern bog einige 100 m vorher rechts auf eine leicht ansteigende Forststrasse ab. Dieser Weg brachte mich tatsächlich zu einer Unterführung, die zwar einen kleinen Umweg erfordert, aber der Sicherheit dient. Auf der anderen Straßenseite begann dann ein Schotterweg der mich zum Fernsteintrail brachte.
Auf diesen und auch den Weg bis Imst gehe ich nicht näher ein.

Diesmal wollte ich nicht von Imst bis Landeck auf dem Radweg fahren, wählte also in Mils den Anstieg zur Kronburg. Das sind zusätzliche ca. 400 Höhenmeter, wer aber mit einem e-MTB unterwegs oder entsprechend fit ist, dem würde ich diesen Weg empfehlen.
Teilweise fährt man Forststraßen, dann auf dem Jakobsweg und dann auf Asphalt hoch zum Gasthof Kronburg. Von dort geht es noch etwas auf und ab, über Rifenal und den Tramser Weiher und dann auf einer schmalen Asphaltstraße runter nach Landeck.
Da ich flexibel sein wollte, hatte ich von zuhause aus, kein einziges Zimmer reserviert, es also war naheliegend bekannte Adressen anzusteuern.
Das war in Landeck der Gasthof Greif, da wir dort bereits 2015 übernachtet hatten. Es gab zwar kein Einzelzimmer, aber im Nachhinein muss ich sagen, dass der etwas erhöhte Preis für ein Doppelzimmer einen sich lohnenden Komfort- und Raum-Vorteil bringt.

Da ich bis dahin keine Pause gemacht hatte und schon relativ hungrig war, ging ich nur kurz aufs Zimmer um die Radklamotten zu waschen und zu duschen.
Der Biergarten war bis auf den letzten Tisch voll, also gesellte ich mich zu einer Gruppe, die (aufgrund der Radbekleidung) offensichtlich auch auf Tour war.
Es war eine gemischte Gruppe:
-zwei kamen aus Mainz und waren mit dem Zug bis Sankt Moritz gefahren und von dort mit dem Rad nach Landeck
–die anderen drei kamen aus dem Landkreis Regensburg und waren mit dem Zug nach nach Landeck gefahren
Die geplante Tour war dann am Inn entlang von Landeck bis Passau zu fahren.
Bestimmt auch nicht schlecht, aber ich persönlich kann es nicht ab auf einem Radweg an einem Fluss entlang zu fahren.

e-MTB-Info: Ich hab bei dieser Etappe nicht nachgeladen - der Akku war in Landeck aber fast leer




Montag, 24.06.19, Etappe 2

Landeck-Nauders - 63,07 km / 1.565 hm

Nach einem ordentlichen Frühstück verabschiedete ich mich von den anderen bikern und startete gegen 08:50 Uhr in die zweite Etappe.
Ich wusste ja bereits, dass man sich ab dem Schloss Landeck erst auf Asphalt, dann auf einem Forstweg hochkämpfen muss um an den Anfang der Via Claudia zu gelangen. Mit dem e-MTB war das recht rasch erledigt, also konnte ich die folgenden Trails unbeschwert genießen. Noch vor Fliess kommt dann ein kurzes Stück auf Asphalt von dem man dann wieder in einen Wiesentrail abzweigt.
Hier stand „Via Claudia ab xxx gesperrt“
(xxx weil ich mir den Ortsnamen nicht merken konnte)
Mir sagte der Name wirklich nichts, also fuhr ich weiter. An zwei Stellen war der Hang etwas weggerutscht, aber mit entsprechender Vorsicht, kommt man „schiebend“ problemlos durch.

Kurz darauf traf ich auf einen Bauern und fragte wo denn die Via Claudia gesperrt ist.
Er sagte nur: „da bischt scho durch“
(die beiden Stellen waren also der Grund der Sperre)
Nach Fließ fährt man auf der Haupstraße etwas bergab und müsste dann links in einen Trail abzweigen. Auch hier stand ein Schild: „Durchfahrt verboten–Wanderweg benutzen“.
Das war auch kein Problem, denn der Wanderweg begann keine hundert Meter weiter in einer Kehre und traf nach ca. 100m wieder auf den eigentlichen Weg.
Der schöne Trail geht dann weiter und endet schließlich an der Bundesstraße.
Kurz vor Fliess
Diese zu Überqueren ist die nächste Herausforderung – hier gibt’s leider keine Unterführung.
Was sich aber seit 2015 verändert hat, ist der steile Weg der dann von der Straße runter zum Radweg am Inn führt.
Früher war der halsbrecherisch, heute sind hier Stufen und am rechten Rand ist eine Holzrinne für das Fahrrad. Besser geht’s nicht (außer mit nem Lift)

Ich denke in Tösens hätte ich der offiziellen Strecke d.h. dem Radweg folgen müssen, aber ich entschied mich die Straße zu überqueren und links hoch zu fahren. Hoch heißt, man macht hiermit ein paar Höhenmeter nur um dann wieder runter an den Radweg zu fahren – jeder wie er mag – mit dem e-MTB war’s ok.
In Pfunds machte ich kurz Stopp beim Gasthof Hirschen, den ich von 2015 kannte. Allerdings hat der Pächter gewechselt. Ich bestellte mir außer zwei „Gösser“ Radler, einen griechischen Salat und türkisches Knoblauchbrot. Der Salat sättigte dermaßen, dass ich dreiviertel des Knoblauchbrotes einpacken ließ (und daher das Abendessen sparte)

Kurz nach Pfunds, man ist auf einem schönen Radweg unterwegs, sah ich im Augenwinkel einen Wegweiser nach rechts „Martina / Schweiz“, was bedeuten würde, dass es vor der Kajetansbrücke eine Radbrücke über den Inn geben müsste.
Ich war mir nicht sicher, als fuhr ich den mir bekannten Weg. Das heißt unter der Brücke durch und dann über einen Linksbogen auf- und über die Brücke.
Daheim hab ich dann aber recherchiert und tatsächlich wurde im Juni 2018 eine Radbrücke gebaut, die man natürlich nutzen sollte.
Das hat dann auch den Vorteil, dass man sich auf der anderen Innseite bereits auf dem Schotterweg in Richtung Finstermünz befindet und nicht auf der Engadiner Straße fahren muss.
Der Schlenker über Finstermünz lohnt sich und bietet sich für eine kurze Pause an, denn nach Finstermünz steigt der Weg leider steil an und führt wieder hoch zur Straße.
Allerdings hat man dann fast den höchsten Punkt erreicht, wo die Straße nach Samnaun rechts abzweigt. Von hier aus geht es nur noch bergab bis Martina.

Aber, erstens war die Straße sehr stark frequentiert, weil die Reschenstr. gesperrt war und zweitens sind auf den letzten km vor Martina Bauarbeiten im Gange (u.a. wird ein Radweg zwischen Inn und der Straße gebaut)
Da 99% in Martina in Richtung Norbertshöhe abzweigen, wurde es auf den nächsten km wieder sehr ruhig. Vermutlich zu ruhig, denn die Schweizer teerten gerade den Radweg neu, ohne vorheriges Warnschild oder einer Ausweichmöglichkeit.
Ich musste das Rad also auf einem handtuchbreiten Schotterstreifen neben dem frisch verarbeiteten, heißen Teer schieben um auf die Brücke über den Inn zu kommen.
Nachdem ich den Inn überquert hatte, überlegt ich mal wieder kurz wo’s langgeht und begann dann die Auffahrt zum Schwarzsee.
Für den unbeleuchteten Felsentunnel probierte ich mein MonkeyLink-Lichtset aus und war leicht entsetzt. Der Tunnel verschluckt jegliches Licht - trotz Licht am bike war es stockdunkel.
Der obere Teil auf dem Weg zum schwarzen See
Nach ein paar Kehren geht der Weg dann in einen Trail mit Holzstegen über. Kurz danach kommt ein Schiebestück, das ich kürzer in Erinnerung hatte und dann folgen weitere Trails und Holzstege bis man den See erreicht.
2015 war dort oben gar nix los, diesmal waren Wanderer, Badende, sogar ein Rollerfahrer war am See.
Nichtsdestotrotz ist die Auffahrt zum See jeden Tropfen Schweiß wert. Und auch die Abfahrt nach Nauders ist klasse. Die Trails sind beschildert und man kann sogar den Schwierigkeitsgrad wählen (die schwarze Variante hab ich mir erspart).
Am Ende der Abfahrt trifft man oberhalb Nauders auf die Reschenstrasse, überquert diese und rollt dann gemütlich auf einem Wiesenweg auf den Ort zu.

Ich hatte von Landeck aus per Mail im „Haus Berta Stecher“ um ein Zimmer angefragt, weil wir dort schon 2014 übernachtet hatten und auch hier bekam ich ein Zimmer.
Frau Stecher war wieder sehr nett und fürsorglich. Das Zimmer sehr sauber, das bike in der versperrten Garage geparkt und kühles Bier war im Keller.

Das Riesenschnitzel beim Stadlwirt musste ich diesmal aber auslassen – ich hatte ja noch das Knoblauchbrot aus Pfunds.

e-MTB-Info: In Pfunds hab ich den Akku ca. eine Stunde geladen. Am Ziel hatte ich noch ca. 40% Restakku




Dienstag, 25.06.19, Etappe 3

Nauders - Naturns, 93,85 km, 1298 hm

Nach einem guten Frühstück, wollte ich kurz vor 09:00 Uhr in die dritte Etappe starten, aber mein nagelneues Garmin ließ sich nicht einschalten. Ich googelte und fand heraus, dass ein Reset (Einschaltknopf 10s drücken) das Gerät wieder aufwecken würde (hat auch geklappt).


Ich fuhr also den mir bekannten Radweg raus aus Nauders und zweigte wenige hundert Meter nach der Talstation links in die Forststraße Richtung Lärchenalm, Bergkastelbahn ein.
Am ersten Abzweig traf ich auf eine Familie aus dem Landkreis Erding, die gerade rechts Richtung Lärchenalm fahren wollten. Ich erklärte ihnen, dass der Weg über die Lärchenalm zwar oftmals beschrieben ist, der schönere Weg aber über die Stieralm verläuft.
Ich fuhr weiter und stellte fest, dass am nächsten Abzweig kein Wegweiser zur Stieralm stand, sondern man hier in Richtung Lärchenalm, statt Richtung Bergkastel fahren muss (was ja total verwirrend ist). Also wartete ich und wies ihnen den richtigen Weg.
Oben an der Stieralm angekommen, stellte ich fest, dass der Plamort-Trail mittlerweile direkt an der Stieralm beginnt.
Ich entschied mich (leider) bis zum nächsten Einstieg in der Trail weiterzufahren, da ich den Weg von 2015 kannte. Das ganze war im Grunde sinnlos, weil man damit auf den ersten Teil des Trails verzichtet.
Der Plamort-Trail ist echt klasse und führt auf direktem Weg zu den Panzersperren.

Die Panzersperren auf 2.050m
Nach der obligatorischen Fotopause macht es Sinn an den Panzersperren entlang in Richtung "Bunkertrail" zu fahren und dann auf dem Forstweg hoch zum Aussichtspunkt auf den Reschensee.
Dort saßen zwei biker und als ich ankam, fragte mich einer der beiden, ob er mit meinem Handy ein Foto von mir machen sollte, was ich natürlich sofort bejahte.
Anschließend stellte ich die Standard-Frage: „was für ne Strecke fahrt Ihr denn?“
Antwort: „ich hab die von einem aus’m Internet, dem Schmaus!“
Amüsiert sagte ich: "Tja, das bin dann wohl ich!"
Wir hatten tatsächlich im März per Mail Kontakt gehabt, aber ich wußte nicht, dass die beiden zeitgleich die Tour fahren.
Was für ein Zufall!!

Da noch viele km durchs Vinschgau auf uns warteten, entschlossen wir uns schnell weiterzufahren.
Wie befürchtet ist aber der Forstweg runter nach Graun immer noch gesperrt. Wir mussten also zurück auf dem Forstweg in Richtung Bunkertrail.
Wer Lust hat, kann den heftigen Trail runter nach Reschen fahren, wir scheuten das Risiko und fuhren auf der Forststr. weiter.
Unten im Ort fuhren Eduard und sein Kumpel weiter auf der Ostseite des Sees, weil ein Foto am Kirchturm Pflicht ist.

Ich hatte das Vergnügen bereits zweimal, deshalb fuhr ich auf die andere Seite und stelle fest, dass der Radweg auf der Westseite wesentlich schöner zu fahren ist.
Zwischen Reschen- und Haidersee fuhr ich dann wie 2015 auf dem Weg durch den Lärchenwald in Richtung Mals, weil ich den Sonnensteig-Trail fahren wollte.
Die Ernüchterung kam leider sehr schnell!
Als ich mit hoher Geschwindigkeit von der Asphaltstr. in einen Singletrail einbog, sah ich im Augenwinkel noch ein Schild „Radfahren verboten“ und stellte zudem fest, dass ich etwas zu früh abgebogen war. Ich befand mich auf einem Waalweg. Auf dem Film werdet Ihr sehen bzw. gesehen haben, dass der Weg zwar wunderschön war, aber leider für biker verboten ist.
An der nächsten Wegkreuzung stand natürlich wieder ein Verbotsschild und diesmal beachtete ich es und fuhr stattdessen einen Schotterweg den Berg hoch. Ich hoffte irgendwie auf einen erlaubten Weg zu treffen, aber leider wurde der Weg immer steiler und verwachsener.
Irgendwann kam mir dann ein Südtiroler entgegen und erklärte mir, dass es keinen Sinn ergibt hier weiterzufahren. Ich musste also wieder zurück ins Tal und hatte keinen einzigen km in Richtung Meran zurückgelegt.
Ich war ziemlich sauer (auf mich) und fuhr dann den regulären Radweg Reschen-Meran.

Irgendwo zwischen Goldrain und Naturns kurz nach einem kleinen Weiher stoppte ich, weil ein paar Bänke im Schatten standen. Gerade als ich einen Energieriegel auspackte, fuhren zwei biker an mir vorbei zur nächsten Bank im Schatten.
Ich dachte mir, die kennst Du doch und tatsächlich waren es Eduard und sein Kumpel.
100 km Strecke und jede Menge Möglichkeiten für eine Pause und trotzdem wählten wir exakt den selben Punkt aus – kaum zu glauben, oder?
Wir unterhielten uns kurz und ich erfuhr, dass noch 40km vor ihnen lagen, da sie in Lana ein Hotel gebucht hatten.
Aufgrund meines nervigen Umweges hatte ich nicht mal mehr Lust auf Meran. Ich suchte per google ein paar Unterkünfte in Naturns raus und steuerte das an was mir auf Anhieb am besten gefiel, die Pension Linserhof.
Ich bekam dort ein Zimmer und war total begeistert. Ein gepflegtes Haus, extrem nette Besitzer und sogar ein kleiner Pool. Was will man mehr.

e-MTB-Info: Ich hab bei dieser Etappe nicht nachgeladen - am Ziel hatte ich noch ca. 30% Restakku




Mittwoch, 26.06.19, Etappe 4

Meran - Tuenno, 69,25 km, 1771 hm

Wie gewöhnlich startete ich kurz vor 09:00 Uhr in die nächste Etappe, die mich in etwa bis Cles bringen sollte.
Erst auf dem Radweg runter bis Meran. In Meran folgte ich (und einige andere) der Beschilderung „Radweg Bozen“ aber unter einer Brücke war dann Schluss. Wieder mal eine Sperre wegen Bauarbeiten.
Alle anderen drehten um und suchten nach einer Alternative, ich fragte einfach einen Bauarbeiter. Der erklärte mir, dass ich nur 50m an den Anfang der Brücke fahren müsse, dann auf die Brücke und dort ginge die Beschilderung nach Bozen bzw. Lana weiter.
Er hatte Recht und so kam ich ohne Umweg nach Lana, wo der 25%ige Anstieg der Völlaner Straße auf mich wartete.
2014 und 2015 ging ohne Schieben gar nix. Diesmal, mit dem e-MTB versuchte ich es in Stufe 1, aber auch das klappte nicht lange, also schaltete ich auf Stufe zwei.
Mein Puls ging trotzdem rasch hoch (kein Wunder bei dem Anstieg und den hohen Temperaturen), aber dafür hatte ich ratzfatz dieses steile Stück hinter mir.

Nachdem man ein paar Häuser passiert hat, zweigt die reguläre Route, die auch wir 2014 und 2015 gefahren sind, nach links ab und man trifft auf die Straße nach Völlan.
Ich hatte mich entschieden hier auf die Marvin-Route zu wechseln, die im Schatten der Bäume, leicht ansteigend, in Richtung Ultental führt.
Lange Zeit ist es eine schmale Asphaltstr. die dann in einen Forstweg und dann sogar in einen schönen Wanderweg übergeht.
Ein paar mal muss geschoben werden, aber der Weg ist es wert.
Der Weg trifft dann wieder auf eine schmale Asphaltstr. die zur Gastwirtschaft Pfrolln führt. Dabei handelt es sich um einen idyllisch gelegenen Bauernhof mit Hofschänke der auch eine kleine Auswahl zum Essen anbietet.
Gastwirtschaft Pfrolln
Ein Stopp ist definitiv Pflicht!
Nach dem Hof führt eine Schotterstr. weiter bergauf, dann geht's über flowige Trails auf und ab und dann fährt mann bergab (ja bergab) zur Gampenpassstraße (in Höhe des letzten Tunnel).
Leider muss man auch auf dieser Route das letzte, aber kurze, Stück auf der Straße zum Gampenpass fahren.
Im Gasthaus am Pass war die Hölle los, schon daher war meine Route die bessere Wahl.
Ich machte nur schnell ein Foto und fuhr weiter. Ich wusste ja, dass man nach hundert Meter rechts in einen Wiesenweg abbiegen muss, der dann in den Schöpferweg übergeht.
Und im Vorbeiflug nahm ich wieder ein Schild wahr „Radfahren verboten“, aber für's Umdrehen war's schon zu spät. Ich drosselte lediglich das Tempo und fuhr vorsichtig weiter bis in den nächsten Ort „Unsere liebe Frau im Walde“.

Die reguläre Route führt über einige Orte, den Wasserfallweg, Richtung Kloster Romedio und dann weiter nach Cles.

Ich wollte diesmal den Rankipino-Trail ausprobieren, also umfuhr ich den Ort nach rechts auf einer Asphaltstr. Nach kurzer Zeit geht diese dann in einen Forstweg über. Zuerst ist das noch recht unspektakulär, aber dann wird ein astreiner Trail draus, der in ständigem auf und ab, oberhalb der Obstplantagen, nach Cagno führt.

Von dort, das bleibt einem nicht erspart, muss man runter auf die Brücke über den Stausee, dann durch den Tunnel (Licht+Warnweste) und dann wieder hoch nach Cles.
Der Stausee vor Cles
Nach der Ruhe auf dem Rankipino war mir der Trubel/Verkehr in Cles zuviel, also fuhr ich weiter bis Tuenno.
Ich folgte den Hinweisen auf zwei Übernachtungsmöglichkeiten und entschied mich für die erste, das Garni Castel Ferari.
Es schien frisch renoviert zu sein, aber ich denke ich war der einzige Gast.
Das Zimmer war ok, die Besitzer sehr freundlich.




e-MTB-Info: Ich hab in der Gastwirtschaft Pfrolln eine Stunde nachgeladen - am Ziel hatte ich noch ca. 30% Restakku




Donnerstag, 27.06.19, Etappe 5

Tuenno - Riva, 89,36 km, 1455 hm

Ursprünglich hatte ich geplant diese 5. Etappe bis Comano Therme zu fahren und am 6. Tag von Comano ca. 47km/1100hm bis Riva.
Dann dachte ich mir aber, von Comano nach Riva bin ich ja erst 2017 gefahren, also entschied ich mich um.
Ich startete etwas früher, gegen 08:40 Uhr, folgte dem Radweg und einer Nebenstr. bis Terres dann einem Weg durch die Obstplantagen bis Flavon und dort ging es den Hang hinauf, bis zum Einstieg in die Dolomiti-Brenta-Bike-Route.
Wow, der Trail ist echt klasse, ich hoffe man kann mittels Film erahnen, wie cool die Strecke ist. Natürlich sind auch wieder mehr Höhenmeter zu machen, als auf der regulären Route, aber mit dem e-MTB ist das ein Muss.
Bären-Warnschild
Nach vielen, vielen km auf dem Trail fährt man leicht bergab und trifft an einer Weggabelung auf den Anstieg nach Andalo.
Und wer stand dort an der Gabelung: Eduard und sein Kumpel; Unglaublich!
Wir machten kurz Pause und wunderten uns, dass zwei bikerinnen geradeaus fuhren, obwohl ich wusste, dass der Weg links über den Bach geht.
Kurz darauf fuhren wir los und ich stellte fest, dass mein Navi mich auch auf den Weg geradeaus leitete. Ich sagte den beiden, dass der linke Weg definitiv nach Andalo führt, ich aber meinem Navi folgen werde und geradeaus fahre.
Wir verabschiedeten uns und trafen uns dann auch leider nicht mehr auf dem Rest der Strecke.
Da ich mit dem e-MTB etwas schneller war holte ich die bikerinnen natürlich ein, erfuhr, dass sie aus der Region Chiemsee kommen und diese Route nach Andalo im aktuellen ULP-Buch beschrieben ist
(naja, mein Buch ist von 2014)
Zumindest war damit klar, dass dieser Weg auch nach Andalo führt, also trat ich wieder etwas stärker in die Pedale.
Mit einem „Bio-bike“ ist die Strecke ziemlich heftig, denn es sind einige sausteile Rampen zu bewältigen. Hier nutze ich ausnahmsweise Stufe 2 und war heilfroh auf einem e-MTB zu sitzen.
Nach der letzten Rampe war ich gerade dabei zwei biker zu überholen, als ich feststellte, dass die biker Martin und Karin aus Crailsheim waren, die ich auf der ersten Etappe getroffen hatte.
Wir fuhren ein kurzes Stück gemeinsam, dann verabschiedete ich mich wieder und zog davon.
Kurz danach hatte ich lt. meinem Garmin den höchsten Punkt erreicht und fuhr bergab (ja bergab) nach Andalo.
Ich durchquerte den Ort, bog nach links in den Trail ein und verließ den Trail ordnungsgemäß, als er zu einem Wanderweg wurde.
Ich fuhr also hoch zur Straße die an den Molvenosee führt, legte dann aber gleich, kurz vor dem See, eine Pause ein. In einer Bar, lud ich den Akku eine Stunde auf, trank zwei überteuerte Radler und fuhr dann an der rechten Seeseite weiter.
Auf den folgenden km, die kannte ich ja von 2014 und 2015, gilt es ein letztes mal Höhenmeter zu machen bis man dann auf einen Panoramaweg mit tollen Ausblicken auf die Brenta trifft.
Danach geht es auf Asphalt runter nach Ranzo und wenn man den Einstieg in den Karrenweg gefunden hat, ziemlich weit runter bis zum Lago Toblino.

Ziel erreicht, der Gardasee
Ab hier ist es nur noch eine Pflichtübung. Zum Teil auf dem Radweg an der Sarche, dann auf dem Radweg durch’s Marocche und dann wieder auf dem Radweg an der Sarche.
Man passiert Dro, Arco und dann fährt man auf einem Radweg, gesäumt von blühenden Oleanderbüschen, an der Sarche entlang und plötzlich liegt das Ziel der Tour dann vor einem:
der Lago di Garda.
Aufgrund des tollen Wetters wimmelte es nur so von Menschen, daher vergaß ich sogar die letzen Meter zum See bzw. ans Wasser zu filmen.
Schade, denn diese letzen Minuten, sind die Krönung der Tour. Hier stellt sich das Glücksgefühl ein, es "geschafft zu haben"

e-MTB-Info: eine Stunde nachladen kurz vor Molveno - am Ziel hatte ich noch ca. 40% Restakku




Freitag, 28.06.19, Tagestour am Lago

Riva - Limone - PassoNota - Pregasina - Riva

Da ich unbedingt den neuen Radweg von Riva nach Limone testen wollte, machte ich mich gegen 09:00 Uhr auf den Weg und fuhr in Riva am Hafen entlang Richtung Limone.
Kurz vor dem Ortsende sah ich zwei bekannte Gesichter: Martin und Karin.

Der neue Radweg nach Limone
Unglaublich, die beiden hatten ein Zimmer in Limone, ich in Riva und trotzdem und trotz der tausende von Touristen am See liefen wir uns sozusagen wieder in die Arme.
Sie erklärten mir dann auch, dass der tolle Radweg nicht fertig ist, sondern von Limone aus nur bis zur Grenze der Lombardei (also ca. 3km vor Riva) gebaut wurde. Um auf den Radweg zu kommen muss man daher 3 km (4 Tunnel) auf der gefährlichen Uferstraße fahren.
Ich zog mir meine Warnweste an, steckte das Licht an und fuhr mit Vollgas die 3km. Glücklicherweise war wenig Verkehr – spaßig war es dennoch nicht.
Der Radweg, der ein paar km, extrem cool, „schwebend“ über dem See verläuft ist echt ein Highlight und zudem war auf dem Radweg wenig los, dass ich die Fahrt auch wirklich genießen konnte.
Der Radweg geht dann aber recht rasch in einen Radweg neben der Straße und dieser wiederum in die engen Gäßchen von Limone über. Da ich den Ort sehr gut kenne, steuerte ich zuerst den Supermarkt an um mich mit 3l Wasser auszustatten, fuhr dann in ein kleines Hotel, in dem ich früher oft war und gönnte mir dort auf der Terrasse zwei kühle Bier.
Die brauchte ich auch, denn es war in der Zwischenzeit brütend heiß und ich wollte über den Passo Nota, Pregasina und die alte Ponale-Str. zurück nach Riva. Ein letztes mal ca. 1400 hm, aber diesmal bei 40 Grad.
Das ging nur mit Stufe 2, mit einem „bio-bike“ hätte ich Null Komma Null Chancen gehabt.

Kurz vor dem Passo Nota traf ich auf einen durchtrainierten Alpencrosser aus Wels (Österreich). Ich schaltete zurück in Stufe 1 und da zog mir der Kerl bergauf tatsächlich leicht davon.
Am steilsten Stück mussten wir aufgrund des losen Untergrunds beide schieben. Was dann kam gefiel uns beiden nicht. Ein richtig anspruchsvoller Trail, der nicht enden wollte.
Aufgrund des besseren Federwegs bin ich irgendwann vorausgefahren und hab ihn dann auch nicht mehr gesehen. Ich hoffe er ist auch heil runter gekommen!
Die Abfahrt ist was für Kranke!
Ab Pregasina ist der Weg dann wieder ganz einfach befahrbar aber trotzdem sehr schön. Man fährt auf der alten Ponale-Straße bis kurz vor Riva und umgeht deshalb den Verkehr und das Risiko der Uferstraße.
Zurück im Hotel erholte ich mich am Pool und ließ den letzten Abend bei Pizza und kühlem Bier ausklingen.





Samstag, 29.06.19, Rückfahrt

Rücktransport Riva - Grainau

Von ULP-Tours wusste ich, dass der Bus um 09:00 Uhr in Torbole abfährt und in welchem Hotel der ULP bike-Guide und seine Gruppe abgestiegen waren.
Auf dem Weg zum Hotel (gegen 08:20 Uhr) fiel mir ein Bus mit Radanhänger auf, also fragte ich den Fahrer, ob das der ULP-bikeshuttle nach Grainau ist, was der Fahrer bestätigte.
Ich ließ also mein MTB sofort verladen und gab dem bike-Guide per SMS Bescheid, dass ich bereits am Bus bin. Nach und nach kam die ULP-Gruppe, aber auch ein Pärchen, das nur den Shuttle gebucht hatte, also auch auf eigene Faust gefahren war.
Im Bus saßen wir in einer Reihe und daher fragte ich: „welche Strecke seid Ihr gefahren?“ Die Antwort: „ich hab da aus dem Internet von einem die Dateien bekommen“
Ich sagte: „das könnte ggf. ich gewesen sein“
„Nein – bist Du etwa der Schmaus?“ – „Na, Logo!“
Und wieder kann ich nur sagen „Unglaublich“!, denn wir hatten zuletzt im Dezember 2018 per Mail Kontakt gehabt. Und selbstverständlich wusste ich nicht, dass die beiden diese Woche unterwegs waren.
Der Bus fuhr dann noch nach Arco, holte weitere 22 biker ab und dann fuhren wir ohne nennenswerte Staus in 4,5 Stunden zurück nach Grainau.
Die Räder wurden ausgeladen, ich verabschiedete mich von Sebastian und Nadine, fuhr zum Parkplatz P1, verstaute bike und Rucksack und fuhr nach Hause.

Gegen 17:00 Uhr war ich daheim und bis auf ein paar elektronische Probleme war der e-MTB-Alpencross 2019 ein voller Erfolg.





Fazit:
Garmisch-Riva ist nicht nur ein toller Einstieg in den Alpencross, es läßt sich auch sehr gut variieren. Man könnte viele Höhenmeter einsparen, aber auch noch einige draufpacken.
Das einzige Manko bleibt m.E. der lange Radweg durchs Vinschgau.
Wobei dieser beim ersten mal durchaus interessant ist, sofern man nicht am WE fährt.
Mein Versuch über den Sonnensteig-Trail ging ja in die Hose, aber eine andere Alternative ist bereits in Planung.

Wenn Ihr Fragen habt, könnt Ihr Euch gerne bei mir melden (siehe Kontakt)