MTB-Transalp für Einsteiger

E-MTB-Alpencross: Dolomiten

Gardasee

E-MTB-Alpencross: Dolomiten

Keine "vollständige" Transalp, aber ein Teil davon.
Eine Panoramatour für MTB oder E-MTB, 5 Tage, 304 km, 7438 hm,
einige Schiebe-/Tragepassagen

Für 2018 war klar, dass ich alleine fahren muss, daher wollte ich keine Experimente machen. Ich plante also die mir bekannte Route Grainau-Riva aus und baute den einen oder anderen Schlenker mit ein, sodass ich auf 6 statt 5 Etappen gekommen wäre..
Der Rucksack war gepackt, die Dateien auf das Navi geladen, es hätte also losgehen können, aber irgendwie hatte sich in Woche 29 alles gegen mich verschworen.

Ich musste den Start also auf KW 30 verschieben und hab mich daher um einen Rücktransport am 28.07.18 gekümmert. Ein Platz bei ULP-Tours war frei, aber noch bevor ich zugesagt habe, stellte ich fest, dass die Wetterprognosen für das ganze Wochenende mehr als übel waren: Unwetterwarnung, Starkregen etc.
Darauf hatte ich definitiv keine Lust – den Alpencross ausfallen zu lassen kam aber auch nicht in Frage.

Ich kramte also das dritte Buch vom ULP-Verlag raus, das ich mir bereits 2016 gekauft hatte: Dolomiten-Alpencross und recherchierte das Wetter in den Dolomiten: ein Traum!!

In 5 Etappen durch die Dolomiten zu fahren ist zwar für mich kein echter Alpencross, aber ich dachte mir, besser so, als gar nicht fahren.

Die Original-Tour aus dem Buch startet in Sterzing und geht in 5 Etappen bis an den Kalterer See.
Natürlich könnte man auch am Tegernsee starten, also vorher schon das Pfitscher Joch mitnehmen und logischerweise wäre es auch kein Problem die Tour zum Gardasee weiterzuführen, aber für mich waren 5 Tage das Limit und das hab ich auch geschafft,
ich bin am Montag um 06:00 Uhr mit dem Auto losgefahren und war am Freitag um 20:00 Uhr wieder zuhause.

Was dazwischen passiert ist, lest Ihr auf den folgenden Seiten.

Viel Spaß





Tag 1, Etappe 1

Franzensfeste – Mühlbach, lt. Garmin Oregon: 36,6 km, 1.334 hm


Wie schon erwähnt, bin ich um 6:00 Uhr daheim los und war exakt 4 Stunden später in Franzensfeste (20km südlich von Sterzing). Dort war der große Parkplatz am Bahnhof besetzt, aber 300m weiter fand ich eine als Parkplatz ausgewiesene Fäche auf der ich mein Auto abstellte.
Kurz danach, gegen 10:30 Uhr fuhr ich los, auf dem Radweg, Richtung Sterzing.
Ja, Richtung Sterzing d.h. ich fuhr in die Richtung aus der ich gekommen bin, aber das hat mit Etappe 5 zu tun, das erkläre ich also später.
am Parkplatz
Parkplatz in Franzensfeste
Kurz vor Mauls trifft man auf die Bundesstrasse, zweigt dann aber gleich rechts ab Richtung Ritzail/Rizzolo. Auf einer schmalen Teerstraße geht es gleich richtig zur Sache und kontinuierlich bergauf.
Nach den letzten Höfen geht die Asphalt- in eine Schotterstr. über, die sich weiter den Berg hochzieht.
An einem kleinen Schotterparkplatz endet die Straße und man fährt auf einen, zuerst unscheinbaren, schmalen Wanderpfad.
Die ersten Meter sind auch noch fahrbar, aber dann ist definitiv Schieben angesagt, denn der Pfad führt in Serpentinen steil den Berg hoch. Nach 15 bis 20 Minuten ist der Spuk dann erstmal vorbei, denn der Pfad wird wieder fahrbar. Es dauert allerdings nicht lange bevor ein recht steiler, letzter Anstieg wieder zum Schieben zwingt. Diesmal sind’s aber keine 5 Minuten.
Als ich diesen letzten Anstieg hinter mir hatte und oben am Valser Jöchl war, blies der Wind so kalt, dass ich keine Lust hatte mich auf 1973m Höhe aufzuhalten und ließ deshalb auch die geplante Variante „Stoanamandl“ sein.
Ich zog nur schnell meine Windjacke an und fuhr gleich weiter.
Da der Wind von Westen kam, lag die Abfahrt windgeschützt, also war bereits nach wenigen hundert Metern wieder diese angenehme italienische Wärme zu spüren.
Am Jöchl ist zwar ein Berggasthof, aber gemütlicher wäre ohnehin die Linderalm (1900m) oder die Anratter Hütte (1814m).
Beide Hütten liegen direkt an der Abfahrt, die teilweise durch einen sehr schönen Lärchenwald verläuft.
Mühlbach
Etappenziel Mühlbach
Irgendwann spuckt einen diese Abfahrt im Ort Spinges aus. Hier geht’s dann direkt rechts neben der Kirche einen Schotterweg runter, der anschließend in einen steilen, steinigen Trail übergeht. Am Ende des Trails fährt man nach links, an einem Gebäude vorbei und dann auf einen, anfangs, schwer erkennbaren Wiesentrail. Dieser geht dann relativ schnell in einen Waldtrail mit richtig Flow über. (wenn man, wie ich, sehr enge Spitzkehren nicht fahren kann, trübt das den Flow ein wenig).
Am Ende des Trails trifft man auf eine Strasse die einen schnurstracks ins Zentrum von Mühlbach bringt.
Ich hatte ein Zimmer im "Gasthof zur Linde" gebucht, Zimmer und Frühstück war ok, das Personal sehr freundlich und mein bike war in einem verschließbaren Radl-/Ski-Raum abgestellt. Der Einfachheit halber habe ich in dem Gasthof auch gegessen.
Vor dem Eingang stehen ein paar Tische d.h. wenn man, wie ich, allein unterwegs ist, kann man sich die Zeit damit vertreiben, den Trubel in der Fußgängerzone zu beobachten.

km-Stand / Höhenmeter / Position / Restakku
37,03 km / 1429 hm / Mühlbach, kein Nachladen nötig / ca. 45%




Tag 2, Etappe 2:


Mühlbach – St. Vigil, lt. Garmin Oregon: 56,1 km, 1895 hm


Von Mühlbach aus ging es die ersten 15 km auf dem Pustertal-Radweg relativ gemütlich bis Kiens. Dann kurz nach Schloss Ehrenburg geht es im Gadertal ein kurzes Stück bergauf und dann runter in den Ort Montal.
Hier spielte mir mein Garmin einen Streich, denn die Variante über den Kronplatz wurde nicht korrekt geladen und weil Bundesstraßen in einer ähnlichen Farbe dargestellt werden, war ich 10 Minuten (bergauf) auf der falschen Strecke unterwegs.
Hin und wieder überbrückt man ein paar km auf verkehrsreichen Straßen aber vor dem ersten Tunnel warf ich dann doch einen Blick in das Roadbook und stellte fest, dass ich total falsch gefahren bin.
Ich hab die Variante Kronplatz also erneut geladen und diesmal hatte es auch funktioniert. Ich wusste also wo ich hinmusste, fand eine Abkürzung und innerhalb von 5 Minuten war ich auf dem richtigen Weg.
Skipiste
Man quert mehrere Skipisten

Bei der Planung der Tour hatte ich bereits berücksichtigt, dass ich kurz vor dem Anstieg zum Kronplatz den Akku laden müsste. Mir erschien der Ort Reischach dafür ideal, denn von dort waren es evtl. nur noch 1350 hm zum Gipfel und ich ging davon aus, dass das in Stufe 1 machbar sein muss.
Unmittelbar vor Reischach, ich hatte bereits 31,6 km und 540 hm hinter mir, schaltete die Akkuanzeige von 5 Balken (100%) auf 4 Balken um. Links im Ort, kurz vor der Kirche war ein eine „Bar-Gelateria“ aber als ich nach einer Steckdose fragte sah mich die Bedienung an als wäre ich ein Außerirdischer.
Ich fuhr also weiter und nach ein paar hundert Meter kam rechts das Dorfcafe. Ich fragte nach Strom und die sehr nette Bedienung führte mich zu einer Steckdose im hinteren Teil des Lokals. Ich machte exakt eine Stunde Pause und mein Akku war wieder fast voll.
Für die 1350 hm rauf auf den Kronplatz sollte das reichen und so viel schon mal vorab, es reichte locker.
Vom Dorfcafe aus ging es erst human und dann ziemlich steil auf Asphalt bergauf. Dann folgten etliche km auf einer Forststraße mit mäßiger Steigung. Nach einigen km trifft man dann auf eine Mittelstation der Bergbahn und einen Berggasthof (beide waren nicht in Betrieb). Dann geht es in zwei, drei fiesen Serpentinen die Skipiste hoch, aber ab dem Wald aber wieder „normal“ weiter. Nach einem flacheren Stück trifft man auf eine weitere Mittelstation die in Betrieb ist.
Ob man hier den Akku laden könnte weiß ich nicht, aber bis zum Gipfel sind es eh nur noch 400 hm.
Auf diesem letzten Stück gibt es fast keinen Schatten mehr, dafür kann man bereits erahnen, welches Panorama einen am Gipfel erwartet. Die Aussicht am Kronplatz ist echt gewaltig – ich fotografierte in alle Richtungen, ging kurz zur Friedensglocke hoch und startete dann aber wieder relativ schnell die Abfahrt.
Das erste Stück geht auf einem gut fahrbaren Wanderweg runter bis zu einer Almhütte (Rifugo Graziani). Dort hätte ich auf eine Schotterstraße treffen sollen, aber da gebaut wurde stand massives Gerät im Weg. 50m unterhalb der Hütte konnte ich aber die Schotterstraße erkennen, also schob ich querfeldein und war nach ein paar Minuten auf dem richtigen Weg.
nach St. Vigil
Die Abfahrt nach St. Vigil

Aufpassen, bereits nach ca. 500m zweigt von der Schotterstraße ein netter Trail in den Wald ab.
Hammer!
Im unteren Teil trifft man im Wald auf eine Absperrung und dahinter geht der Trail in eine gebaute Strecke mit Anliegerkurven über
Oberhammer!!
Leider ist diese "Achterbahnfahrt" schnell vorbei und man trifft wieder auf ein Schotterstraße.
Auf dieser fährt man, in wunderschöner Kulisse, an einem Skihotel und an Skiliften vorbei, bis man auf eine schmale Teerstraße trifft die relativ steil und schnurstracks nach St. Vigil, dem Etappenziel, runterführt.
Übernachtet habe ich im B&B Garni Erna, das ich mit gutem Gewissen weiterempfehlen kann.

km-Stand / Höhenmeter / Position / Restakku
31,61 km / 547 hm / Dorfcafe Reischach / ca. 75% => 60 Minuten laden: ca. 95%
38,54 km / 1155 hm / Mittelstation / ca. 80%
43,17 km / 1614 hm / Kronplatz / ca. 60%
56,88 km / 2143 hm / St. Vigil / ca. 45%




Tag 3, Etappe 3


St. Vigil – Arabba, lt. Garmin Oregon: 46,9 km, 1768 hm


Von St. Vigil aus fährt man erst ein kurzes Stück auf Asphalt und dann ca. 10 km auf einer Forststraße, in angenehmer Steigung, hoch zur Pederü-Hütte.
!! Von der Forststraße zweigen immer wieder geniale Singletrails in den Wald ab, die man unbedingt fahren sollte.
Kurz vor dem Talende zweigt der Weg dann nach links ab und nach 100m trifft man auf die Pederü-Hütte. Nach der Hütte (an einem Gatter) traf ich auf biker, die wie ich überlegten, wo denn der Weg weitergeht. Der Wegweiser zeigte relativ eindeutig, dass die Schotterstraße, die links hochgeht, Richtung "Sennes" führt und die "Fanes-Hochebene" in etwa geradeaus, oberhalb des Talendes, liegen musste.
Halbrechts war aber nur ein Wanderweg sichtbar, der unzweifelhaft nicht fahrbar war, also entschieden sich die biker erstmal eine Pause an der Hütte einzulegen.
Lt. meinem Garmin musste ich geradeaus auf einen extrem unscheinbaren Weg.
Naja, wenn das Navi das meint - was sollste machen?
Ich fuhr also los und ein paar Minuten stand ich, wie erwartet, in einem Geröllfeld und es ging nicht weiter.
Evtl. ging der Weg früher dort entlang, aber jetzt endete der Weg hier!
Ich wollte gerade umdrehen, das sah ich keine 100m vor bzw. über mir ein SUV den Berg hochfahren.
Im Grunde war ja klar, dass es eine Schotterstraße zur Versorgung der Fanes-Hütte geben musste, aber wenn man bereits an der Pederü-Hütte ist, sieht man sie nicht (vermutlich zweigt die Straße bereits in Höhe des Parkplatzes ab).
Fanes
Fanes Hochebene
Ich wuchtete also mich und mein bike auf die Schotterstraße und trat wieder in die Pedale. Nach einige Kehren wurde das Gelände flacher und es öffnete sich eine Hochebene mit einem kleinen See links neben der Schotterstraße. Am Ende der Ebene ging’s nochmal steiler den Berg hoch und als ich (in Stufe 1) langsam an ein paar MTBikern vorbeifuhr, sah man denen an, wie anstrengend der Anstieg mit einem normalen MTB und einem schwerem Rucksack auf dem Rücken sein musste.
Es folgte erneut eine flache Passage durch eine Hochebene bis es kurz vor der Fanes-Hütte (2060m) nochmals etwas steiler wird.
Vermutlich werden die meisten an der Fanes-Hütte eine längere Pause einlegen, denn die Landschaft ist echt klasse, aber ich bin nach einer kurzen Verschnaufpause weiter. Gleich nach der Hütte folgt erneut ein etwas steileres, schotteriges Stück und dann ist es erstmal vorbei mit den Anstiegen, denn man hat das Limojoch und kurz danach den Limosee erreicht.
Ich war bis hierhin schon begeistert, aber die Landschaft sollte noch toller werden.
Ich habe noch nie im Leben so oft gehalten um Fotos zu machen.
Der Dolomiten-Höhenweg der sich durch diese Hochebene schlängelt ist der echte Wahnsinn! Zwischendurch muss man 2x kurz schieben, aber das ist absolut kein Problem.
Hat man dann (leider) nach ca. 6 km das Ende der Hochebene erreicht, geht’s so steil runter, dass ca. 15-20 Minuten geschoben werden muss.
Dann wird der Weg aber wieder fahrbar und spuckt einen an der Capanna Alpina aus.  Diese Hütte hat doch tatsächlich 3 Steckdosen im Außenbereich und alle drei waren frei. Ich machte also ca. 1 Stunde Pause und lud den Akku auf. Das Essen auf der Hütte soll recht gut sein, allerdings hatte ich keinen Hunger, also gönnte ich mir als Gegenleistung für den Strom nur zwei Radler und einen kleinen Salat.
Von der Capanna Alpina geht’s erstmal einige hundert Höhenmeter runter bis in den Ort St. Kassian. An der Talstation des Skiliftes beginnt dann der Anstieg hoch zur Pralongia-Hütte. Bis auf ein paar steilere Rampen ist der Weg sehr gut fahrbar und die Aussicht ist super, den es handelt sich hier nur um Almwiesen.
Oben angekommen, fährt man an der Pralongia-Hütte vorbei und dann rechts neben der Kapelle auf einen Schotterweg.
Da der Schotterweg ab der Bergstation recht steil runtergeht, werden die meisten, so wie ich auch, den Weg nehmen der in den Almwiesen neben der Straße runtergeht.
Pralongia
Kurz nach der Pralongia-Hütte
Nach ein paar Kehren wird die Schotterstraße dann aber flacher und man kann das bike laufen lassen. Zum Schluss hin geht die Schotterstraße in eine schmale Asphaltstraße über und man erreicht den Ort Cherz. Von dort geht es noch ein kleines Stück auf Asphalt runter bis man auf die Passstraße nach Arabba trifft.
Diese letzten 2 km auf der Passstraße fuhr ich einer jungen Rennradfahrerin hinterher, die sich richtig reinkniete. Ich bin mir sicher, dass sie nicht wusste und (wegen Brose) auch nicht hörte, dass ich auf einem e-MTB unterwegs war. Ich wollte sie nicht überholen, denn ich hatte einen enormen Respekt vor Ihrer Leistung, aber kurz vor Arabba wurde es etwas steiler und da ging ihr dann spürbar die Puste aus.

Übernachtet habe ich in der „Pensione Sport“, kurz vor dem Kreisverkehr. Ich hatte ein Zimmer zur Straße, aber das war bzgl. Verkehrslärm kein Problem, das Zimmer war für eine Nacht auch völlig ok, aber die Adresse kann man trotzdem getrost streichen, denn das war das schlechteste Frühstück ever.

km-Stand / Höhenmeter / Position / Restakku
13,08 km / 475 hm / knapp oberhalb Pederü / ca. 80%
19,38 km / 945 hm / am Limojoch / ca. 60% => 65 Minuten laden an der Capanna Alpina ca. 75%
36,44 km / 1572 hm / Pralongia-Hütte / ca. 60%
47,66 km / 1824 hm / Arabba / ca. 45%




Tag 4, Etappe 4


Arabba - Obereggen, lt. Garmin Oregon: 54,8 km, 988 hm


Im ULP-Buch stand, man sollte die erste Gondel (08:30 Uhr) zur Porta Vescovo nehmen, damit weniger Wanderer unterwegs sind, aber ich ließ mir etwas Zeit und war dann gegen 09:00 Uhr an der Seilbahn.
Ich kaufte mir eine Karte für die Bergfahrt
(15,- €) und schob mein bike in Richtung Gondel. Der Durchgang war noch nicht geöffnet, also wartete ich und unterhielt mich mit drei Kletterern, die als Einzige vor mir standen.
Hinter uns standen mittlerweile relativ viele Wanderer aber kein anderer biker. Kurz vor 09:30 Uhr schwebte dann, unerwartet, eine zweite Gondel in die Talstation, ein junger Kerl stieg aus und entfernte die Absperrkette. Ich nutzte den extrabreiten Durchlass für MTB und war als einer der ersten in der Gondel. Dort versuchte ich möglicht wenig Platz zu blockieren, was im Nachhinein aber dämlich war, weil ich dadurch nicht vernünftig fotografieren/film konnte.
Die Bergfahrt dauerte lediglich 15 Minuten und endete ca. 900 m höher an einer Bergstation mit einer gewaltigen Aussicht.
Mit den Ski ist man es ja eher gewöhnt mal über 2000m aus einer Gondel auszusteigen, aber als ich in 2478m Höhe aus der Seilbahn Porta Vescovo ausstieg, fragte ich mich im ersten Moment: „was mach ich hier eigentlich?
Gegenüber thront die Marmolada, unten glänzt der tiefblaue Fedaia-Stausee, aber wie/wo es hier von diesem Sattel runtergehen soll, war mir im ersten Moment nicht klar. Ich wusste dass der "Bindelweg" auf der einen Seite des Hanges und die "Sella-Ronda-Hero-Route" auf der anderen Seite verläuft, war mir zu diesem Zeitpunkt noch unsicher, welchen Weg ich fahren sollte.
Ich fuhr auf der Skipiste, etwas zögerlich, ein kurzes Stück bergab und sah dann links den Einstieg in den Bindelweg. Da mich die Aussicht auf dieser Hangseite derart faszinierte, schaute ich gar nicht mehr nach der Sella-Ronda-Hero-Route, sondern entschied mich für den Bindelweg.
Nach dem ersten kurzen Stück führt der Weg, handtuchbreit, am steilen Grashang entlang. Mir war klar, dass hier der geringste Fahrfehler den sicheren Tod bedeuten würde, also entschied ich mich zu schieben.

Kurz darauf kam dann auch noch eine felsige Passage, bei der man das bike ein paar Meter den Berg hoch wuchten muss. Allein mit einem schweren e-MTB und Knieproblemen ein gaaaanz tolles Erlebnis.
Gut, dass wenigstens ein kurzes Drahtseil vorhanden ist, an dem man sich ein wenig festhalten kann.
Kurz nach dieser Schlüsselstelle ist der Grashang nicht mehr ganz so steil und der Bindelweg geringfügig breiter.
Ab hier macht das ganze einen Heidenspaß.
Ich hatte zudem das Glück, dass das Wetter traumhaft war und in diesem Bereich nur drei Wanderer unterwegs waren.
Kurz vor der Bindelweg-Hütte kommt dann ein steiles Stück, das man leider wieder schieben muss.
Eine Pause auf der Hütte war nicht nötig, denn ich hatte fast nur Angstschweiß vergossen. Daher schob ich mein bike über die Terasse, denn dahinter geht der Bindelweg weiter. Der Weg ist ab hier noch breiter, noch ungefährlicher aber ebenso unbeschreiblich schön zu fahren.
Das einzige Manko, auf diesem Abschnitt kamen mir viele Wanderer entgegen - 90% davon waren Italiener.
Mit einem Lächeln im Gesicht und einem freundlichen „Buon Giorno“ oder „Salve“ grüßte ich jede(n) Einzelnen und Keiner also wirklich gar Keiner motzte mich auf diesem Wanderweg an.
Pordoi
Singletrail zum Pordoi
Das Gegenteil war der Fall, viele sahen, dass es sich um ein e-MTB handelt und fragten neugierig nach Marke, Reichweite usw.
Trotzdem wurde es gegen Ende des Bindelwegs schon unangenehm, denn es kamen mir plötzlich ganze Busladungen an Wanderern entgegen.
Vermutlich lassen sich die Wanderer mit Bussen auf den Passo Pordoi fahren und gehen dann bis zur Bindelweghütte und zurück.
Hat man das Ende des Weges erreicht, zweigt nach rechts eine MTB-Strecke ab, die vermutlich zurück nach Arabba führt, ich fuhr geradeaus weiter auf einen Singletrail (erneut viele Wanderer), der direkt am Passo Pordoi endet.
Lt. dem ULP-Buch hätte man am Ende des Parkplatzes wieder auf einen Trail abzweigen können, aber da stand ein unübersehbares Verbotsschild für MTbiker, also fuhr ich auf der Passstraße runter.
Ich weiß nicht wieso, aber ich hatte scheinbar ein gutes Zeitfenster erwischt, denn auf den ca. 1,5 km bis zum Hotel Lupo Bianco war ich fast allein auf der Passstrasse.
Kurz nach dem besagten Hotel verläßt man die Straße dann aber und zweigt rechts auf einen Singletrail ab.

Achtung: nach der kleinen Brücke nicht geradeaus, sondern rechts runter!
Man muss zwar ein kleines Stück schieben, aber der Rest des Trails ist wieder gut fahrbar. Der Trail mündet dann in einen steilen Schotterweg der nach Canazei führt.
Von Canazei aus geht es über geschotterte oder teilweise auch geteerte Radwege durch's Fassatal ca. 10 km bergab bis in den Ort Meida. Hier beginnt der Anstieg auf den Karerpass.
Nur am Anfang fährt man kurz auf einer asphaltierten Straße, ab dem Wald dann ca. 600 hm auf einer Forststraße.

Unmittelbar vor dem Karerpass trifft man auf die Passstraße, am Pass kann man dann aber auf einen schmalen Schotterweg, rechts neben der Straße, ausweichen.
Kurz vor dem Karer See (den man sich unbedingt ansehen muss) geht’s zurück auf die Passstraße.
Achtung: kurz nach dem See (100m nach der ersten Kurve) zweigt nach links der „Tempelweg“ ab.
Diesem flowigen Weg durch den Wald und über Wiesen folgt man ca. 5 km bis man dann auf eine asphaltierte Straße trifft. Dieser folgt man und erreicht nach wenigen Kehren den Ort Obereggen.

Ich hatte ein Zimmer im Hotel Mayr gebucht und das war wirklich ein Volltreffer. Etwas teurer als die anderen Zimmer auf dieser Tour, aber es passte wirklich alles.
Zum Essen ging ich 150m runter in eine Pizzeria, ließ diesen tollen bike-Tag Revue passieren und schaute mir die Abschlussetappe an.

km-Stand / Höhenmeter / Position / Restakku

39,38 km / 525 hm / / ca. 80%
49,35 km / 872 hm / / ca. 60%
54,89 km / 989 hm / / ca. 55%




Tag 5, Etappe 5


Obereggen – Franzensfeste, lt. Garmin Oregon: 109,2 km, 1435 hm


Mein ursprünglicher Plan war, mein Auto in Mauls zu parken, da dort der Weg zum Valser Jöchl abzweigt. Mir war aber auch klar, dass ich dann 120 km zurück zum Auto fahren müsste.
Aus diesem Grund hatte ich mein Auto in Franzensfeste geparkt.
Das waren immer noch 110 km, aber ich wusste auch, dass ca. 23 km davon bergab gingen, also sollte das Ganze auch klappen.

In Obereggen ging es auf einer schmalen Asphaltstraße erstmal hoch zur Epicher Laner Alm, dann über Schotterstraßen runter auf eine Passstraße. Diese strampelt man dann hoch bis zum Lavazejoch. Trotz Passstraße war wenig Verkehr was den Abschnitt erträglich machte.
Kurz nach dem Lavazejoch an einem kleinen See, zweigt nach rechts eine Straße zum Jochgrimm ab. Das sind dann vorerst die letzten 200 Höhenmeter bergauf.
Am Jochgrimm endet die Asphaltstraße und man fährt ein kurzes Stück auf einem Schotterweg weiter. Dann zweigt man nach links auf einen Wiesentrail, später Waldtrail ab, fährt weiter bis zur Isi-Hütte und ab hier wieder auf einer Schotterstraße.
Nach wenigen hundert Metern auf dieser Schotterstraße zweigt ein Trail ab, der abschnittsweise grobschottrig, steil oder auch verwachsen ist. Am Ende des Trails landet man auf einer Asphaltstraße, die nach Kaltenbrunn führt.
Hier geht’s ein ganz kurzes Stück bergauf und dann zweigt rechts der geschotterte „Bahnweg“ ab.
Bahnweg, weil hier früher eine Bahnlinie verlief. Dieser spaßige Weg führt stetig bergab u.a. durch drei unbeleuchtete Tunnel und endet oberhalb von Auer.
Von dort musste ich noch ein kurzes Stück auf einen Radweg, dann auf die Straße (und durch einen Tunnel), aber dann auch nochmal über zugewachsene Singletrails fahren bis ich in Auer war.
Im Ort musste ich nicht lange suchen, bis ich das erste "Radweg"-Schild sah und folgte diesem bis zum Radweg an der Etsch.
Ich lud den letzten Abschnitt auf mein Garmin und wusste, jetzt lagen noch ca. 70 km und einige Höhenmeter vor mir. Ich strampelte also sofort weiter, immer auf Stufe 1. Da etliche Orte auf der Strecke lagen, machte ich mir bzgl. Akku keine Sorgen.
Kurz nach Klausen, also etwa auf halbem Weg zwischen Bozen und Brixen war dann aber eine Rast fällig.
Das „Hotel zum Klostersepp“ hatte im Außenbereich 2 Steckdosen, also gönnte ich mir und meinem bike eine Stunde Pause. Der Akku bekam eine Ladung Strom, ich zwei Radler.

Auer
Zurück im Tal, Auer
Frisch gestärkt und mit ca. 70% Akku startete ich in die letzten 24 km und diesmal wählte ich Stufe 2. Kurz nach Brixen bzw. Vahrn fährt man eine völlig unerwartete Schleife durch den Wald, bei der sich sicher jeder fragt: „bin ich noch auf der richtigen Strecke?“
Mir ging’s genauso, aber ich kann bestätigen, der Weg stimmt.
Denn kurz danach war ich wieder auf dem Radweg und die Zweifel waren beseitigt.
Nach knapp 111 km bog ich in den kleinen Parkplatz ein und war froh das Auto meiner Frau unbeschädigt und ohne Strafzettel o.ä. vorzufinden.
Ich verstaute meine Sachen, befestigte mein bike, das auch den zweiten e-MTB Alpencross problemlos gemeistert hat, auf dem Heckträger und fuhr gegen 16:00 Uhr gemütlich nach Hause.

Fazit:
Kein „vollständiger“ Alpencross aber eine hammergeile Gegend.
Tag 1 könnte man sich sparen, also evtl. in Mühlbach starten, dafür eher einen oder besser zwei Tage mehr in den Dolomiten einplanen und den Tag 5 bzw. dann Tag 6 evtl. doch durch einen Shuttle entschärfen.
Ich bin mir sicher, da läßt sich noch einiges rausholen!

Zu meinem Bulls.:
Im Juni wurde der Motor auf Kulanz getauscht uns seither läuft das Ding völlig problemlos.
Mit dem alten Motor wurde regelmäßig die Leistung spürbar reduziert, das ist jetzt vorbei.
Ich bin extrem zufrieden mit der Bulls-Brose-Kombination.
Und noch was,
man liest ja immer, dass der Akku kontinuierlich an Leistung verliert. Wenn ich mir aber die Reichweiten/-höhen auf dieser Tour ansehe, möchte ich behaupten, dass ich keinen signifikanten Unterschied zu 2016 feststellen kann.
Das spricht für BMZ, den Hersteller dieses 650 Wh-Akkus.

km-Stand / Höhenmeter / Position / Restakku
11,35 km / 602 hm / am Jochgrimm / ca. 80%
68,48 km / 869 hm / / 60%
86,92 km / 1098 hm / kurz vor Klausen / ca. 40% => 60 Minuten laden, Hotel Klostersepp, ca. 65%
109,4 km / 1435 hm / Franzensfeste / ca. 45%